Wochenplan
Das Kursprogramm im Detail
Sieben Tage, strukturiert und offen zugleich. Der Plan gibt Orientierung, aber der Ofen bestimmt das Tempo.
Ankommen und Orientierung
Der erste Tag dient dem Kennenlernen: des Ortes, des Ofens und der anderen Teilnehmer. Eine ausführliche Einführung in die Geschichte des Anagama-Ofens bildet den theoretischen Rahmen. Woher kommt diese Ofenform, was macht sie besonders, und warum brennen Keramiker weltweit mit Holz, obwohl effizientere Methoden verfügbar sind?
Nachmittags: Erste Besichtigung des Ofens, Erklärung der Bauweise und der wichtigsten Bauteile. Abends: Gemeinsames Abendessen und informeller Austausch.
Ofenkonstruktion verstehen
Theorie der Schamottbauweise. Welche Steine werden für welche Bereiche verwendet, wie wird Mörtel gemischt, wie entsteht ein stabiles Gewölbe. Der Tag beinhaltet eine praktische Übung: Kleinere Reparaturen oder Anpassungen am Ofen werden gemeinsam durchgeführt.
Nachmittags: Brennholzsortierung und Vorbereitung. Holzarten im Vergleich, Trocknungsgrad prüfen, Spaltmaße für verschiedene Brennphasen.
Stapeln und Einsetzen
Jedes Werkstück bekommt seinen Platz im Ofen. Dieser Prozess ist weit mehr als logistische Planung. Die Position im Ofen, die Orientierung zum Feuer, der Abstand zu anderen Stücken, der Einsatz von Brennhilfsmitteln, all das beeinflusst das Ergebnis direkt.
Das Seminarteam erklärt die Grundprinzipien der Stapelstrategie und begleitet jeden Teilnehmer bei der Platzierung der eigenen Werkstücke. Gemeinsame Diskussion der Erwartungen.
Der Brand
Das Herzstück des Seminars. Der Ofen wird angezündet und die Temperatur über mehrere Stunden langsam gesteigert. Jede Phase hat ihre eigene Logik: Die Aufheizphase, der Übergang in die Sintertemperatur, die Hochtemperaturphase und der Moment, in dem die Atmosphäre bewusst verändert wird.
Schichtarbeit in kleinen Gruppen. Wer gerade nicht am Feuer steht, ruht oder bereitet sich auf die nächste Schicht vor. Die Nacht bringt ihre eigene Qualität in den Brandprozess. Temperaturkontrolle per Pyrometer und Kegelprobe.
Tag 6: Letzte Brennphase, Abschluss des Feuers, Verschließen der Öffnungen. Beginn des Abkühlens.
Öffnung und Abschluss
Das Öffnen eines Anagama-Ofens nach dem Abkühlen ist ein besonderer Moment. Jedes Stück wird herausgeholt, begutachtet und besprochen. Was ist gelungen, was überraschend, was lässt sich beim nächsten Brand anders gestalten?
Abschlussgespräch: Dokumentation der Ergebnisse, Austausch von Kontaktdaten, Diskussion nächster Schritte für jeden Teilnehmer. Wer plant, einen eigenen Ofen zu bauen, erhält konkrete Hinweise für die Planung.
Voraussetzungen
Grundkenntnisse im Töpfern oder in der Keramikherstellung werden vorausgesetzt. Erfahrung mit Holzbrand oder Anagama-Öfen ist nicht erforderlich. Körperliche Belastbarkeit für mehrstündige Schichtarbeit ist hilfreich.
Was mitzubringen ist
Eigene Werkstücke aus schamottiertem Steinzeugton. Arbeitskleidung, die Feuer und Ruß standhält. Festes Schuhwerk. Persönliche Schutzausrüstung (Handschuhe, Schutzbrille) wird teilweise gestellt, eigene Ausrüstung ist willkommen.
Übernachtung
Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe des Seminarortes werden auf Anfrage vermittelt. Da der Brand Nachtschichten einschließt, ist eine Unterkunft in unmittelbarer Nähe empfehlenswert.
Materialien
Brennholz, Brennhilfsmittel und Messwerkzeuge werden gestellt. Schamottemörtel und kleinere Reparaturmaterialien für den Übungsteil sind ebenfalls vorhanden. Teilnehmer müssen keine Materialien kaufen.